Akée van de Vrijen

Manuale

Endogene Psychosen

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Endogene Psychosen entstehen nach den gegenwärtigen Erkrankungsmodellen durch abnorme autonome Prozesse innerhalb von cerebralen Zellen, ohne eine von außen kommende, „exogen“ einwirkende verursachende Störung.
Sich diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, lässt nachvollziehen und verstehen, welche herausragende entscheidende Bedeutung bei der Differentialdiagnostik psychotischer Syndrome dem Detektieren der „exogenen“, eben dann nicht endogenen psychotischen Erkrankungszuständen zukommt.
Sollte weitere Forschung darauf hinweisen, dass diese pathologischen intrazellulären Prozesse nicht primär von außen getriggert werden, sondern tatsächlich aus sich heraus innerhalb von Zellen des Gehirns entstehen, könnte „autonom cerebral intrazellulär induziert“ als neuer Begriff eingeführt werden, „endogen“, „innerhalb“ der Zelle ausgelöst, würde das Phänomen immer noch mit verwertbarer Genauigkeit abbilden.

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Drogeninduzierte Psychose

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Entscheidend für eine Zuordnung als akustische Halluzination im Rahmen einer primären Halluzinose – etwa in Abgrenzung zu einer produktiv paranoid-halluzinatorischen Symptomatik bei einer endogenen Psychose – ist eine Dominanz der Wahrnehmungsstörungen, unabhängig davon, ob es sich um akustische oder optische Halluzinationen oder ein illusionäres Verkennen handelt – und deren initiale Positionierung im Längsschnittverlauf eines komplexeren psychopathologischen Geschehens.
Für den betroffenen Patienten stehen die optischen und akustischen Erlebnisse von Beginn an im absoluten zentralen Mittelpunkt.
Soweit sich aus den Wahrnehmungsveränderungen ein handlungs-bestimmender Charakter ergibt, etwa Fluchtreaktionen, aggressive Reaktionen oder Versuche, die Wahrnehmungen zu unterbinden, bestehen darin nachgeordnete Vorgänge als unmittelbare Reaktion auf die Wahrnehmungsveränderungen. Bei einer Halluzinose entwickeln sich somit erst sekundär psychische Folgereaktionen wie in der Hauptsache Angst und andere Qualitäten unmittelbarer psychisch-affektiver Belastung, hier vor allem vielfach ein allgemeiner hoher psychischer Leidensdruck, als konsekutive psychische Inanspruchnahme und Belastung.

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Differentialdiagnostik Depressiver Syndrome

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Einer von nicht wenigen Juristen vertretenen Sichtweise, depressiven Störungen komme eine nur geringe forensische Bedeutung zu, ist zu widersprechen. Sicher verhält es sich so, dass depressiven Erkrankungen eher in Zivilverfahren eine Bedeutung zukommt, wenn es um die Einschätzung und Durchsetzung daraus abgeleiteter materieller Versorgungs- oder Absicherungsansprüche wie Berentungen geht. In Zusammenhang mit Strafverfahren führt jedoch eher eine nicht zuverlässige Nicht-Wahrnehmung affektiver Belastungen zu der falsch negativ vertretenen Vorstellung, Straftäter mit forensisch relevanter Depression stellten eine Ausnahme dar, oder – auch solche Darstellungen werden vertreten – ein forensisch relevant depressiv beeinträchtigt depressiver Täter sei zu Straftaten mit bestimmten Charakteristika, die ein hohes Aktivitätsniveau, ein hohes Maß an persönlicher Durchsetzungsfähigkeit erforderten, infolge der depressiven Erkrankung von vornherein gar nicht in der Lage. Diesen Sichtweisen ist ein Unverständnis der hochgradigen Varianz und Variabilität affektiver Störungsmuster gemeinsam.

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Anempathische Psychopathie

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Bei einer antisozialen Persönlichkeit liegt scheinbar oder tatsächlich eine weitgehende oder völlige Gefühlslosigkeit im Handeln anderen Personen gegenüber vor. Während sich – und darin bestehen entscheidende diagnostische Kriterien – andere Merkmale von Persönlichkeitsstörungen nicht nachweisen lassen – oder zumindest nicht in kausaler Beziehung zu der ersichtlich gestörten Empathiefähigkeit – dominiert bei der unempathisch/dysempathisch gestörten Persönlichkeit dennoch eine weitgehende oder völlige Beziehungslosigkeit im Bereich eigener emotionaler Empfindungen, (Angst, Trauer, Anteilnahme, Mitleid, Schuld), die mit dieser Qualität gar nicht erst oder nur abortiv, nur unterschwellig generiert werden, und dem ausgetragenen intrinsischen und extrinsischen Verhalten. Der emotionale Anempath oder Dysempath kann solche Empfindungen wie Angst, Trauer, Anteilnahme, Mitleid, Schuld nur eingeschränkt oder gar nicht aufbringen, wenn er Handlungen plant, initiiert oder deren Auswirkungen zur Kenntnis bekommt.Und diese Konstellation ist übergreifend nachweisbar, in allen Lebenslagen, nicht etwa auf bestimmte einschlägige Situationen wie schon wiederholt begangene Straftaten beschränkt.

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Hyperthermie Kasuistik MDMA

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Die Mitvierzigerin ist des Todes – mit Hyperthermie und Rhabdomyolyse nur eine Frage der Zeit bis zum Nieren- oder Multiorganversagen, konsekutiv dem Tod der Patientin. So sieht das jedenfalls aus, in den ersten 30 Minuten nach Zuweisung der Patientin mit RTW und Notarzt in das zuständige Krankenhaus vor Ort an einem Samstagnachmittag. Zwei junge Männer haben die Frau in ihrer Wohnung gefunden und glücklicherweise sofort den Rettungswagen verständigt. Die sehr junge „Funktionsoberärztin“ hat solides intensivmedizinisches Handwerk erlernt, weiß, was sie tun muss, auch wenn sie nicht immer weiß, warum. Dafür sind nämlich die krankhaften Prozesse in so einem Körper zu unterschiedlich, zu vielgestaltig, zu komplex. Auch nach 20 Berufsjahren sehen Intensivmediziner immer wieder noch etwas neues, was sie bis dahin nicht gekannt haben, bei einem Menschen, selbst wenn er sehr krank erscheint, auch nicht für möglich gehalten hätten. Also Augen auf, die Sinne hoch gespannt, auch im größten Stress nie vergessen, alles, aber auch wirklich alles am und um den Patienten irgendwie zur Kenntnis zu nehmen, zu erfassen, für eine Auswertung aufzubereiten. Intensivmediziner agieren und denken wie Kriminologen, respektive Gerichtsmediziner, wenn sie ihren Job richtig machen. („Dr. Quincy.“) Eine der vielen möglichen Ursachen besteht in Intoxikation. Ist das Gift bekannt, sind im Einzelfall gezielte Gegenmaßnahmen möglich. Mit Blaulicht ist tatsächlich ein Einsatzwagen der Polizei zum nächsten Fachlabor unterwegs.

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Posttraumatische Belastungsstörungen

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Eine der gefährlichen Eigenschaften posttraumatischer Belastungsstörung besteht darin, dass sie nicht erkannt werden. Eine weitere gefährliche Eigenschaft von PTBS besteht darin, dass die Betroffenen sie nicht bemerken. Von PTBS Betroffene bemerken nur, dass sich alles verändert: Sie überall mit jedem in Konflikt geraten, auf den Anblick grüner Wiesen mit vitaler Angst reagieren, dieser unstillbare Drang immer stärker wird, alles endlich hinter sich zu bringen …

 

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Borderline

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Borderline

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Um Missverständnissen von vornherein vorzubeugen: Über 80 Prozent des Klientels, auf das die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstruktur (Borderline-Struktur) anzuwenden ist, wobei „Persönlichkeit“ der klinischen Realität als Terminus näher kommt als der einer „Persönlichkeitsstörung“, weist zwar für eine emotional instabile Persönlichkeit charakteristische Struktur-merkmale in seiner Persönlichkeit, in seinen Wahrnehmungs-, Reaktions- und Handlungsmustern auf, doch ergibt sich daraus keine Psychopathologie, kein krankhaftes Verhalten nach psychiatrischem oder forensischen Verständnis.

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Forensische Toxikologie Psychotrope Substanzen

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Forensik, forensische Toxikologie und toxikologische Pharmakologie, (letztere, ohne dies explizit einzuräumen), sind von einem hoch problematischen Substanzdefizit betroffen. Über die weitaus überwiegend Mehrzahl der gegenwärtig weit verbreiteten Substanzen mit psychotroper Wirkung liegen keine durch systematische Forschung mit Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit ermittelten Erkenntnisse zur „klinischen Wirksamkeit“ vor. Es fehlt in jeder Hinsicht an systematischen Untersuchungen zu zentralen psychischen und neurologischen Einwirkungen, die diese Substanzen auf das menschliche Gehirn erzielen können.
Von einer zumindest Basis an fachspezifischem Wissen kann nur in Zusammenhang mit Alkohol, Barbituraten, Benzodiazepinen, Opiaten, Kokain, LSD und einigen weit verbreiteten Amphetamin-Analoga ausgegangen werden

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